Jungtiere
Mitnehmen oder sitzen lassen? Wir erklären Ihnen, wie Sie sich richtig verhalten, wenn Sie ein junges Wildtier finden.
Grundregeln im Umgang mit Jungtieren
Jungtier gefunden – was tun?
Beim Spaziergang Ende Februar entdecken Sie ein kleines zartes Wesen. Vor Angst scheint es sich ins hohe Gras zu pressen, anstatt wegzulaufen. Weit und breit können Sie auch kein Muttertier ausfindig machen. Szenenwechsel – es ist mittlerweile Mitte Mai. Im nahegelegenen Wald sitzt ein flauschiges Etwas auf dem Boden und guckt Sie mit großen Augen an. Sie sind ratlos – sind die beiden womöglich verwaist?
Ob die beiden Jungtiere wirklich in Not sind, kann zwar niemand hundertprozentig sagen, aber bei der Beurteilung helfen Grundkenntnisse über die Lebensweise unserer wilden Mitgeschöpfe. Denn eines ist sicher – die Natur hat sie eigentlich bestens auf das Leben in freier Wildbahn ausgerüstet. Die zivilisatorischen Auswirkungen durch uns Menschen haben jedoch das natürliche Gleichgewicht geschwächt und bringen zusätzlich durch vielfältige Gefahren Wildtiere und ihren Nachwuchs in Not.
Grundregeln im Umgang mit Jungtieren
- Situation erst beobachten und nachdenken, was zu tun ist, ggf. Rat einholen (Kontakt).
- Unverletzte und nicht sicher verwaiste Jungtiere wieder an den Fundort oder seine Nähe zurücksetzen. Bitte bedenken Sie, dass die Handaufzucht durch uns Menschen immer nur eine absolute Ausnahme im Notfall sein darf!
- Katzen bitte im Haus belassen, wenn junge Singvögel (Ästlinge) ihre ersten Flugversuche machen.
- Hunde während der Jungtierzeit bitte anleinen.
- Im Notfall ist das Anfassen eines Wildtieres erlaubt.
- Ohne vernünftigen Grund dürfen Nester und andere Brutstätten nicht entfernt oder Elterntiere eingefangen werden (Bundesnaturschutzgesetz).
Sollten Sie ein in Not geratenes Jungtier aufnehmen, geben Sie es bitte in
fachkundige Hände. Bei der Handaufzucht von Wildtieren sind wichtige Kriterien zu beachten, damit unter anderem eine Fehlprägung vermieden werden kann. Niemals ohne Artgenossen oder mit Haustieren aufziehen!
Das Leben von jungen Wildtieren
Grundsätzlich kann man Wildtiere in Nestflüchter und Nesthocker einteilen. Nestflüchter wie z.B. Feldhasen und Rehe werden nahezu voll entwickelt geboren und können ihren Geburtsplatz bereits nach wenigen Stunden eigenständig verlassen. Meist lassen ihre Eltern sie mehrere Stunden täglich geschützt im hohen Gras alleine, um so die Aufmerksamkeit von Räubern zu minimieren.
Nesthocker wie z.B. Singvögel, Wildkaninchen, Marder, Füchse, Eulen und Greifvögel können dies nicht. Ihre Elterntiere müssen intensive Aufzucht betreiben und sind deswegen meist ohne lange Unterbrechung bei ihrem Nachwuchs.
Bei
jungen Eulen, Sing- und Greifvögeln unterscheidet man zwischen Nestlingen und Ästlingen. Sind sie weitestgehend befiedert, verlassen
Ästlinge ihr Nest, um fliegen zu lernen. Meist hüpfen sie die ersten Tage noch etwas unbeholfen umher. Die Elterntiere haben ihren Nachwuchs jedoch im Blick und versorgen ihn auch außerhalb des Nestes weiter.
Nestlinge sind noch nicht flügge, kaum befiedert und brauchen Fürsorge im Nest.
Richtige Hilfe für Jungtiere
Sollten Sie in der Jungtierzeit (März-August) einen flugunfähigen Vogel beobachten, der am Boden sitzt, handelt es sich meist um einen sogenannten Ästling – einen befiederten, noch flugunfähigen Jungvogel. Beobachten Sie ihn aus etwas Distanz, ob die Elternvögel ihn versorgen. Das kann über eine Stunde dauern. Wenn der Jungvogel am Boden in Gefahr sein sollte, können Sie ihn einfach auf einen Ast im Gebüsch setzen. Eltern- und Jungtiere haben meist Rufkontakt und finden wieder zueinander, wenn sie ungestört sind.
Wird ein junger Singvogel jedoch von Katzen bedroht halten Sie die Katze bitte für mehrere Tage im Haus. Fremde Katzen versucht man z.B. mit Wasserpistolen zu verscheuchen und bittet die Nachbarn um Mithilfe.
Rehkitze und junge Feldhasen sind oft allein anzutreffen, da diese von ihren Müttern nur kurz und höchstens dreimal täglich versorgt werden. Man kann sie meist getrost sitzenlassen. Und auch die flauschige Jungeule ist wahrscheinlich nicht in Not, sondern wird von ihren Eltern weiter betreut.
Findet man jedoch ein Jungtier an einer ungünstigen Stelle, da dort z.B. umgehend gemäht werden soll oder Autos entlangfahren, kann man es vorsichtig aufnehmen und in der Nähe an einem sicheren Platz wieder absetzen. Der kurze Kontakt mit dem Menschen führt nicht dazu, dass die Elterntiere ihren Nachwuchs verstoßen. Die Bindung zu ihrem Nachwuchs ist stärker als die Furcht vor unbekanntem Geruch.
Doch leider gibt es auch unzählige Situationen, in denen Jungtiere unsere intensive Hilfe benötigen. In den auf der nächsten Seite genannten Fällen sollte umgehend Kontakt mit einer Wildtierauffangstation aufgenommen werden:
- Katze oder Hund haben ein junges Wildtier verschleppt und man weiß nicht, wo sie es aufgegriffen haben.
- Bei Garten- oder Bauarbeiten wird ein Nest oder ein Bau zerstört und die Elterntiere bleiben auch nach einer Weile verschwunden.
- Ein Enten- oder Gänseküken irrt alleine umher, weit und breit ist seine Familie nicht auszumachen.
- Das Jungtier ist deutlich verletzt, geschwächt oder stark durch Parasiten befallen und dicke Brummer kreisen dicht um ihn umher.
- Das tote Muttertier liegt in der Nähe (z.B. überfahren)
Wie Sie ein Jungtier im Notfall füttern können, erfahren Sie hier:
Im Zweifel kontaktieren Sie uns bitte zuerst: Kontakt




