Erste Hilfe für Wildtiere
Sie haben ein verletztes oder schwaches Wildtier gefunden? Hier finden Sie Tipps und Hinweise, wie Sie helfen können.
Wie finde ich heraus, ob das Tier Hilfe benötigt?
Grundregeln im Umgang mit Wildtieren
Die Klassiker – Fensteranflug und Jungtiere
Wie finde ich heraus, ob das Tier Hilfe benötigt?
Unsere folgenden Fragen sollen helfen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob das betroffene Tier wirklich in Not geraten ist:
- Ist das Tier verletzt?
- Verhält sich das Tier untypisch für seine Art?
- Wie lange haben Sie die Situation beobachtet?
- Handelt es sich evtl. um ein Jungtier?
- Sind andere Tiere seiner Art in der Nähe, z.B. Elterntiere?
- Um welche Tierart handelt es sich?
- Gibt es etwas, dass evtl. die Situation beeinflusst haben könnte (z.B. Sturm, Fensterscheibe, Straße, Katze, Hund, Rattengift, kaputtes Nest etc.)?
Im Zweifel kontaktieren Sie uns bitte zuerst: Kontakt
Schlechtes Wetter
Wildtiere sind bestens an die natürlichen Umstände angepasst. Starker Regen, Frost, Schnee und andere Witterungsverhältnisse sind
kein Grund, ein gesundes Wildtier einzufangen. Bei starker Hitze sind saubere Wasserstellen zum Trinken und Baden eine willkommene Unterstützung für Singvögel und kleine Säugetiere. Denken Sie bitte daran, einen Stock oder eine andere Ausstieghilfe in den Behälter zu legen.
Grundregeln im Umgang mit Wildtieren
- Situation erst beobachten und nachdenken, was zu tun ist, ggf. Rat einholen.
- Unverletzte und nicht sicher verwaiste Jungtiere bestenfalls wieder an den Fundort oder seine Nähe zurücksetzen. Bitte bedenken Sie, dass die Handaufzucht durch uns Menschen immer nur eine absolute Ausnahme im Notfall sein darf.
- Eigenschutz beachten (z.B. im Straßenverkehr, beim Einfangen eines wehrhaften Tieres, etc.)
- Ruhig handeln und leise sprechen, um den Stress durch den menschlichen Kontakt für das betroffene Tier so gering wie möglich zu halten.
- Niemals ein unterkühltes Tier füttern, sondern erst auf Körpertemperatur aufwärmen lassen, ggf. mit Hilfe einer Wärmflasche o.a.
- Ggf. die Feuerwehr um Hilfe bei der Bergung bitten.
- Bei
jagdbarem Wild melden Sie sich bitte bei dem oder der zuständigen Jäger:in, den/die Sie über das Ordnungsamt erreichen.
Mythos Anfassen verboten?
Leider glauben immer noch sehr viele, dass man Wildtiere nicht anfassen darf, da sonst z.B. die Elterntiere ihren Nachwuchs nicht mehr versorgen. Das ist falsch. Die Fürsorge für ihren Nachwuchs ist stärker als die Angst vor ungewohntem Geruch. Wenn Sie sich vergewissern wollen, ob ein Wildtier verletzt ist oder weil Sie es an einer anderen Stelle setzen möchten, können Sie dies also gerne tun. Wichtig ist dabei, den Eingriff auf das notwendigste zu reduzieren!
Egal in welcher Situation – wenn Sie unsicher sind, kontaktieren Sie uns telefonisch (Kontakt). In der Regel lassen sich bereits in einem Telefongespräch die wichtigsten Fragen beantworten sowie eventuell notwendige Schritte erläutern.
Die Klassiker
In vielen Fällen kann auch der Laie schnell und einfach helfen. Folgend ein paar Beispiele:
Fensteranflug-Opfer
Wenn ein Vogel gegen eine Scheibe geflogen ist und etwas benommen aber unverletzt am Boden hockt, helfen Sie ihm am besten, indem Sie ihn z.B. in einen geschlossenen Karton an einen ruhigen, katzensicheren Platz stellen. Der Vogel hat dadurch die Möglichkeit, sich von dem Anflug zu erholen. Überlegen Sie, wie Sie sich fühlen würden, wenn Sie mit voller Wucht gegen eine Scheibe gerannt wären.
Bitte keine Nahrung und Wasser anbieten. Nach ca. 2-3 Stunden können Sie den Karton im Freien öffnen. Im besten Fall fliegt der Vogel davon. Sollte er jedoch nach kurzer Zeit nicht wegfliegen, bringen Sie den Vogel bitte in eine sachkundige Pflegestation.
Hände weg von Jungtieren
Wichtig: Erst beobachten, nur bei Bedarf handeln!
Haben Sie das Gefühl, ein junges Wildtier ist verletzt oder verwaist, beobachten Sie es zunächst aus sicherer Entfernung.
Nicht jedes aufgefundene Jungtier braucht tatsächlich Hilfe.
Lesen Sie hier, wie Sie sich richtig verhalten, wenn Sie ein Jungtier gefunden haben:
Umgang und Versorgung
Transport und kurzzeitige Unterbringung
Grundsätzlich gilt: Eng und dunkel ist besser – weniger Platz ist hier mehr. Zudem braucht das Tier vor allem Ruhe, denn in der Regel ist es durch die Verletzung, ein Trauma und den menschlichen Kontakt sehr gestresst.
Die meisten Tiere sollten am besten in einem Karton mit kleinen Luftlöchern transportiert werden. Auf den Boden legt man am besten ein Handtuch oder Haushaltspapier, sodass das Tier nicht rutschen kann und Kot und Urin besser aufgefangen werden.
Greifvögel dürfen auf keinen Fall im Käfig transportiert werden. Sie können sich sonst das Großgefieder zerstoßen. Auch die meisten kleineren Säugetierarten sollten immer in Kartons transportiert werden. Werden sie in Käfigen verwahrt, können sie sich an den Gitterstäben starke Verletzungen zuziehen.
Spechte und Kolkraben sollten in Transportbehältern oder einem stabilen Korb mit verschließbarem Deckel befördert werden, denn sie könnten sich aus einem normalen Karton heraus hacken. Auch Greifvögel, Eichhörnchen und Marder sind darin am besten aufgehoben. Den Korb bitte mit einem Handtuch abdecken, um weiteren Stress durch Sichtkontakt zu vermeiden.
Notfall-Futter
- Junge Singvögel können mit abgetöteten Fliegenlarven aus dem Angelbedarf gefüttert werden. Niemals direkt Flüssigkeit eingeben!
- Junge Säugetiere brauchen spezielle Aufzuchtmilch. Bitte niemals fertig angerührte Katzenmilch (Catmilk) geben, denn sie enthält nicht die notwendigen Nährstoffe.
- Greifvögel und Eulen können mit Hühnerherzen gefüttert werden. Bitte niemals Hackfleisch verfüttern.
- Igeln können Sie einen Mix aus ungewürztem Rührei und Barffleisch anbieten.
- Für alle Wildtiere gilt: Keine Kuhmilch, kein Hundenassfutter, kein Schweinefleisch verfüttern! Davon können Wildtiere Durchfall bekommen oder krank werden.
Hund und Katze
Die vierbeinigen Freunde des Menschens sind leider häufig eine Gefahr für Wildtiere. Jedes Jahr werden Millionen Singvögel und Kleinsäuger von Katzen gewildert. Katzenbisse sind aufgrund des hochinfektiösen Speichels eine tödliche Gefahr, wenn das Wildtier nicht schnell mit Antibiotikum versorgt wird.
Jungtierzeit: Bitte belassen Sie ihre Katze maßgeblich im Haus oder schaffen Sie für ihre Katze(n) – wenn möglich – durch ein Gehege einen gesicherten Außenbereich in ihrem Garten. Auch wenn dies eine Herausforderung darstellen mag, so kann nur so vermieden werden, dass die guten Jägerinnen auf Beutezug gehen. Bedenken Sie bitte, dass Hauskatzen hierzulande zu den als häufigste gehaltene Haustierart zählen und die entsprechenden Auswirkungen durch wildernde Hauskatzen nichts mit natürlicher Auslese zu tun hat.
Gerade in der Jungtierzeit verschleppen freilaufende Hunde junge Wildtiere, wie z.B. Feldhasen und Kaninchen. Bitte leinen Sie darum ihren Hund an, wenn Sie durch Wald und offene Landschaft spazieren gehen. Freilaufende Hunde haben auf Wiesen und Feldern nichts zu suchen. Benutzen Sie besser Hundespielplätze zum Herumtollen ihres vierbeinigen Lieblings.



